Sonntag, 11. April 2021

Mut machende Worte

Es gibt Situationen, in denen man einem Mitmenschen Mut zu sprechen sollte und will. Doch ist das keine leichte Sache, wenn man es ernst meint. Es könnte auch die Situation verschlimmern. So bin ich sehr empfindlich gegen solche Worte und möchte das auch erläutern:

In meiner etwa fünfzehnjährigen Arbeitslosigkeit wurde mir immer wieder Mut zugesprochen, den ich meistens auch annehmen konnte. Praktische Hilfe war und ist in dem Bereich nicht möglich. Es gibt einen Spruch, den ich jedoch auf den Tod nicht ausstehen konnte "Gibt nicht auf, du wirst schon etwas finden." Das war bestimmt gut gemeint, aber auch sehr unüberlegt. Und wenn ich mich dazu kritisch geäußert habe, wurde ich oft als Schwarzmaler abgetan. Ich hatte mir nur gewünscht, mit meinen Erfahrungen - und es waren sehr viele miese - ernst genommen zu werden. Ehrliche Äußerungen - wie "Ich würde dir sehr gerne helfen, weiß aber überhaupt nicht, wie ich das machen könnte" haben mir gut getan, weil ich mich ernst genommen fühlte.

Manches Mal ist In-den-Armen-nehmen eine riesige Hilfe, an die Worte nicht heran reichen. Ein körperlicher ist Kontakt ist in der Regel weitaus überzeugender als falsch gewählte Worte. Es muss nicht eine Umarmung sein, dem anderen die Hände auf seine Schultern legen und ihn warmherzig anlächeln oder seine Hände in seine nehmen. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Ganz wichtig ist auch - ich habe es oben schon erwähnt - Ehrlichkeit. Mir zu sagen, man möchte mir helfen, weiß aber nicht wie, macht mir Mut. Ehrlichkeit kann auch zu einem klärenden, aufbauenden Gespräch führen.


Samstag, 10. April 2021

Gästebuch

Ich habe mein Blog um ein Gästebuch erweitert. Den Link dazu findet Ihr in der Kopfleiste unter "Gästebuch". Dort könnt Ihr alles reinschreiben, was Euch zu meinem Gedankenbuch einfällt oder was Ihr mir auch immer schon sagen wolltet. 

Ich freue mich über jeden sachlichen Gästebucheintrag - sei es ein Einfach-nur-mal-so-Eintrag, sei es Lob, sei es Kritik, sei es eine Anregung oder was Euch sonst noch einfällt, Mein Gedankenbuch ist auch sehr vielfältig.

Samstag, 3. April 2021

Ein soziales Netzwerk aufbauen und pflegen

Trotz vieler Möglichkeiten habe ich es versäumt, mir im Laufe meines Lebens ein soziales Netzwerk aufzubauen. Die frühen Hinweise, Kontakte zu halten, habe ich immer so verstanden, dass ich das nur tun sollte, damit mir zu gegebener Zeit diese Menschen nützen könnten. Das habe ich abgelehnt, weil ich das als Ausnutzen gedeutet habe. Dass das Leben zu einem großen Teil aus Geben und Nehmen besteht, habe ich erst sehr spät gelernt.

Im Laufe meines Lebens hatte sehr viele Kontakte - in allererster Linie während meiner Gymnasialzeit, des Studiums und der Jahre meines politischen Arbeitens (Friedens-, Partei-, Gewerkschafts- und Kulturpolitik). Dieses Wirken und die vielen Gemeinsamkeiten mit den Menschen haben mich glücklich gemacht und ich bin nie auf den Gedanken gekommen, mir mit einigen dieser Menschen ein soziales Netzwerk aufzubauen und zu pflegen. Die Lebenswege trennten sich und es blieben nur die Erinnerungen. Zu manchen Menschen habe ich versucht, wieder Kontakt aufzunehmen - doch ohne Erfolg.

Mein "soziales Netzwerk" besteht leider aus Kontakten, die einseitig von mir ausgehen. Und wenn ich diese Kontakte einschlafen lasse, höre ich von diesen Menschen auch nichts mehr. Ich habe diese Erfahrung zweimal in meinem Leben gemacht.

Zwischenzeitlich habe ich versucht, wieder ins politische Geschehen einzugreifen, habe aber die Erfahrung gemacht, dass diese Kreise sehr in sich geschlossen sind.

Mittlerweile bin ich es müde und sage mir "Wer mit mir Kontakt möchte - sehr gerne. Und wer keine Lust (mehr) auf Kontakt mit mir hat, soll es bleiben lassen." Das ist einfacher als immer wieder enttäuscht zu werden.

Samstag, 27. März 2021

Ein bedeutender Teil meines Lebens

Zu meiner Zeit auf dem Konrad-Heresbach-Gymnasium in Mettmann - die wunderbarste Zeit meines Lebens - waren wir einige Freundinnen und Freunde, die sich vor dem Unterricht erst einmal getroffen und mit Umarmungen begrüßt haben. Für mich war es ein Ritual, das mir sehr viele Energien für den Tag gegeben hat.

Eine von uns war Suse. Suse war eine Strahlefrau vor dem Herrn mit einem ansteckenden Lachen. An einem Morgen habe ich sie gefragt, woher sie ihr glückliches Lachen nehme. Und sie hat mir geantwortet: "Wenn ich nicht wüsste, was Tränen sind, wüsste ich auch nicht, was Lachen ist." Dieser Satz einer etwa 17-jährigen Frau hat mich beeindruckt, weil er von einem bewussten Leben zeugte. 

Nach unseren Abituren haben wir uns dann leider aus den Augen verloren. Wir zogen in unterschiedliche Gegenden oder unsere Lebenswege haben sich auseinander entwickelt. 


Sonntag, 21. März 2021

Ein Querdenker

Ich bin ein Querdenker. Und bevor ihr jetzt über mich herfallt, haltet inne. Wir dürfen uns positive Begriffe nicht von zynischen und respektlosen Menschen wegnehmen lassen. Querdenken ist eine durch und durch begrüßens- und lebenswerte Eigenschaft, weil sie in anderen Wort heißt "in Zusammenhängen denken und leben".

Und darum bezeichne ich mich als Querdenker, weil ich stets versuche, in Zusammenhängen zu denken und zu leben. Das ist nicht immer so einfach, wie ich es mir wünsche. Quer zu denken und quer zu leben erfordert oft auch viel Mut.

Freitag, 12. März 2021

Kulturelle Spaltung

Ich habe volles Verständnis für die Künstler, die wieder auf die Bühne wollen und finanziell auch müssen. Und ich freue mich riesig für alle Menschen, die wieder uneingeschränkt Konzerte besuchen und feiern dürfen.

Doch vergessen wir nicht die Menschen, die sich Kultur nicht leisten können. Das sind die Menschen, die in Armut leben und auf Sozialleistungen wie Hartz IV, Sozialhilfe, (ergänzende) Grundsicherung angewiesen sind. Diese Menschen konnten sich vor Corana Kultur nicht leisten und sie werden es auch nach Corona nicht können. Wo gibt es die Konzerte, die sich der kleine Mann auch leisten kann?

Ich würde mir wünschen, dass Künstler und ihre Manager nicht nur auf die Menschen schauen, die sich Kultur leisten können. Sie sollten auch die Menschen sehen, die sich Kultur sehr gerne leisten würden, aber es nicht können.

Ich spreche hier aus meinem eigenen Herzen, weil ich sehr kulturbegeistert bin, aber mit einer kleinen Rente und ergänzender Grundsicherung kann ich mir nur das Allernötigste leisten - ohne Reisen und ohne Kultur!

Sonntag, 28. Februar 2021

Gestern - Heute - Morgen

Gestern - das sind für mich sieben Jahrzehnte, die mich durch Höhen und Tiefen geführt haben. Kindheit, Jugend, abgebrochenes Studium, politisches und soziales Engagement, ein gescheitertes Berufsleben. Jahrzehnte, die auch gefüllt waren mit wunderbaren Erlebnissen und tollen Menschen. Das alles hat Spuren in mir hinterlassen und mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

Heute - das ist für mich das letzte Jahr der Kontaktbeschränkungen und eines chaotischen Pandemiemanagements, in dem ich vor allem Eins will: geimpft werden. Und die Pandemie hat mir auch gezeigt, wer Freund ist und wer nicht. Das Ergebnis macht mir zu schaffen.

Morgen - das ist für mich der Wünsch, noch viele Jahrzehnte zu leben. Obwohl ich vieles kritisiere, ich lebe sehr gerne. Und je länger ich noch lebe, desto mehr kann ich mir erfüllen. Ich würde sehr gerne viel reisen und Kulturveranstaltungen live besuchen und nicht nur vor dem Fernseher erleben. Das aber wird bedauerlicherweise an meinen Finanzen scheitern.

Glücklicherweise sind bei mir die Grundlagen vorhanden, weiter zu leben und vielleicht auch mal wieder mehr schöne, erfreuliche und mein Herz erweiternde Dinge zu erleben: Ich habe eine Wohnung (für mich sehr wichtig!), und eine kleine Rente plus ergänzende Grundsicherung ermöglichen mir zwar keine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, aber den ein oder anderen Blick vom Rand aus.

Montag, 22. Februar 2021

1 Jahr Corona-Kontaktbeschränkungen - eine persönliche Bilanz

Mitte März jähren sich die Kontaktbeschränkungen auf Grund von Corona zum ersten Mal. Ich gehe davon aus, dass diese Beschränkungen im Laufe dieses Jahres Schritt für Schritt aufgehoben werden können. Und wenn sich möglichst sehr Viele impfen lassen, bin ich noch zuversichtlicher.

Rein äußerlich hat sich für mich nicht viel verändert, weil ich schon immer sehr viel allein war. Doch die Dauer und der Umfang haben mich zermürbt. Nur alleine zu Hause zu sein und allein spazieren zu gehen, ist eine Grundlage, aber eine schwächliche. Es ginge mir schon besser, wenn ich unverkrampft unter die Menschen gehen und Kontakte aufnehmen und das ein oder andere persönliche Gespräch führen könnte.

Dieses Jahr hat mir auch gezeigt, wer mir wirklich ein Freund ist. Es waren schon immer wenige, aber jetzt sind es noch weniger. Ich kann sie an einer Hand abzählen. Doch echte Freunde - . . .

Es macht mir kaum noch etwas aus, dass ich mir nicht mehr täglich meine Tasse Kaffee und gelegentlich ein Stück Torte leisten kann. Das spart mir so manchen Euro, den ich an anderen Ecken vortrefflich benötige. Aber Kultur und Urlaub werden nach wie vor nicht möglich sein - so sehr ich mir beides gerade nach den vielen Jahren der Enthaltsamkeit wünsche.

Abschließen würde ich gerne mit einem schönen Gedanken, doch der fehlt mir zur Zeit leider.

Dienstag, 2. Februar 2021

Gemeinsam alt werden

In meiner Gymnasialzeit haben sich viele samstags nach dem Unterricht noch in der Innenstadt getroffen. Diese Treffen waren Leben pur. Sehr häufig war auch ein älteres Lehrerehepaar darunter, bei denen mich sehr ansprach, dass sie Hand in Hand gingen. Da muss bei mir wohl der Wunsch geboren worden sein, gemeinsam mit einer liebenswerten Frau alt zu werden und auch im Alter noch Hand in Hand spazieren zu gehen und durch die Stadt zu bummeln.

Leider konnte ich mir diesen Wunsch nie erfüllen. In meinen Beziehungen habe ich sehr viele Fehler gemacht und auch wiederholt, die ich im Nachhinein nicht wieder gut machen konnte. Manche wollte ich auch nicht wieder gut machen, weil sie als schöne Erinnerungen in mir ruhen.

Dieser Wunsch ist auch heute noch - mit 70 - lebendig in mir. Jetzt heißt es nicht mehr "Gemeinsam alt werden", sondern "Gemeinsam unser Alter genießen und gestalten".

Sonntag, 24. Januar 2021

So ändern sich die Zeiten

70 Jahre sind eine lange Zeit, in denen sich sehr Vieles verändert hat. Erdgeschichtlich sind sie weniger als eine Millisekunde. Eine diese Änderungen werde ich nie vergessen, weil sie meine Geburt im Jahr 1950 betrifft.

Der Tag meiner Geburt war geplant für den 11. Dezember. Doch ich hatte es mir anders überlegt und wollte noch in meiner Höhle bleiben. Doch kurz vor Weihnachten wurde es haarig, weil sich meine Nabelschnur um meinen Hals gewickelt hatte. Es stand ein Kaiserschnitt an.

Für die Einwilligung genügte jedoch nicht das Einverständnis meiner Mutter, sondern mein Vater musste dem Eingriff ebenfalls zustimmen. Heute nicht mehr vorstellbar, und ich weiß auch nicht, wann diese Vorschrift abgeschafft worden ist. Mein Vater jedoch war verschütt gegangen und so reichte dann das alleinige Einverständnis meiner Mutter. Welch ein Glück auch - was wäre die Welt heute ohne meine Wenigkeit 😀.

Ich habe zwar keine Kinder, kann mir aber sehr gut vorstellen, dass sich heutzutage die meisten Eltern gemeinsam auf ihren Nachwuchs freuen und ihn - soweit wie möglich - gemeinsam ins Leben begleiten.