19. Februar 2020

Eine befremdliche Unterscheidung

Vor einigen Tagen erzählte mir eine Bekannte von ihrem schon länger verstorbenen Ehemann, der sie psychisch ziemlich heftig behandelt hat. Aber sie hat sich "deswegen" nicht von ihm getrennt. Auf meine Frage, was sie getan hätte, wenn er ihr körperliche Gewalt angetan hätte, antwortete sie mir, in diesem Fall hätte sie sich von ihm getrennt.

Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Menschen zwischen psychischer Gewalt und körperlicher Gewalt in der Weise unterscheiden, dass sie psychische Gewalt mehr oder weniger annehmen, körperliche Gewalt jedoch völlig ablehnen.

Ein Grund ist mit Sicherheit, dass man einem Menschen das Leben nur nehmen kann, wenn man ihn körperlich tötet. Doch auch psychisch kann man einen Menschen töten, beispielsweise durch Armut, die einem Menschen auf Dauer den Sinn des Lebens nehmen und ihn ebenfalls sterben lässt. Zuerst ist es ein Krieg gegen die Seele, aber auch ein Krieg gegen Persönlichkeit und Menschenwürde.

Die Tötung eines Menschen durch eine Waffe wird geahnet, weil es körperliche Gewalt ist. Doch die Tötung eines Menschen durch psychische oder wirtschaftliche Gewalt wird bei weitem nicht so geahndet.

Dem ein oder anderen Betroffenen wäre es sicherlich lieber, zu sterben als nur zu über-leben.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen