30. April 2020

Mein Leben während der Pandemie

Anfangs dachte ich, die Kontaktsperren würden mich nicht stören, weil ich ohnehin viel allein bin. Doch weit gefehlt: Spätestens nach einer Woche wurde mir schmerzlich klar, dass es etwas wesentlich Anderes ist, mich freiwillig fürs Alleinsein zu entscheiden oder dass es mir obrigkeitsstaatlich aufgezwungen wird. Ich bin ein Mensch, der echte - nicht virtuelle - Kontakte braucht und auch körperliche Berühungen. Doch das ist mir jetzt geraubt. Wie lange noch?

Aus medizinischer Sicht habe ich keine Angst vor Corona, auch wenn der Sicherheitsabstand - ob mit oder ohne Mund-Nasen-Schutz - hier in Solingen meinen Erfahrungen zufolge nicht konsequent durchgehalten wird. Ich erkranke eher an meiner Seele und meinem Geist als an meinem Körper. Selbstkritisch spielt dabei für mich eine nicht geringe Rolle, dass ich es versäumt habe, mir im Leben ein soziales, zwischenmenschliches Netzwerk aufzubauen.

Corona, Corona, Corona - es wird einem auch medial geradezu aufgezwungen. Damit kann ja auch vortrefflich von allen anderen Problemen ablenken. Nachdem ich mich über diese Thematik und meine Hilflosigkeit so sehr aufgeregt hatte, dass mein Herz vor einer Woche verrückt gespielt hat und ich ärztliche Hilfe brauchte, habe ich meine Beschäftigung mit dieser Thematik stark eingeschränkt. Glücklicherweise war mein Herz nicht ernsthaft angegriffen, sondern es hat mir offensichtlich signalisiert, dass ich mich mit dieser Thematik zugrunde richte, falls ich mich nicht abgrenze. Es ist eine Schwäche von mir, dass meine Seele meinen Kopf zu oft besiegt. Ich bewundere die Menschen, die sich intensiv geistig mit einer schwierigen Thematik auseinander setzen können, ohne gefühlsmäßig darin unter zu gehen.

Ich bemühe mich, in dieser Sache nur noch von heute auf morgen zu denken, weil sich so viel ändert, dass ich gar nicht folgen kann. Meine Aufmerksamkeit auf den mit dieser Pandemie verbundenen Abbau demokratischer und menschlicher Grundwerte verfolge ich automatisch, weil ich in meiner Jugend politisch stark engagiert war und dieses Denken in mir fest verankert ist.

Schließen möchte ich mit diesem Mut machenden Gruß:
In der Hoffnung, dass dieses Virus bald den Kampf aufgibt und uns alle in Ruhe weiterleben lässt.

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